Karl Feichtinger zur prekären Situation am heimischen Putenmarkt


Karl-Feichtinger-thumbDr. Karl Feichtinger, Geschäftsführer der WECH Geflügel GmbH, im Interview zur Lage am heimischen Putenmarkt.

 

 

 

Wie ist die aktuelle Lage am heimischen Puten-Markt einzuschätzen?

Karl Feichtinger: Die Situation am Putenmarkt in Österreich ist derzeit sehr angespannt. Hauptproblem sind Dumpingimporte die von diversen Handelsketten und Händlern durchgeführt werden. Damit sind derzeit leider extrem unterpreisige Putenbrustangebote am Markt.

 

Woher kommen diese Dumping-Importe?

Karl Feichtinger: Die Dumpingimporte kommen derzeit hauptsächlich aus Italien, Ungarn, Polen und Deutschland. Diese ausländischen Waren werden teilweise in Österreich verpackt und dann unter österreichischen Firmennamen im Handel angeboten. Das führt wiederum zu einer Irreführung des Konsumenten, der dann glaubt ein österreichisches Produkt zu kaufen.

 

Wie schafft es die ausländische Konkurrenz billiger zu produzieren?

Karl Feichtinger: Österreich hat selbst innerhalb der EU die strengsten Richtlinien. Das heißt zum Beispiel, dass in anderen EU-Ländern bis zu 50 % mehr Puten im gleich großen Ställen stehen wie bei einem WECH-Bauer. Diese Dumpingpreise entstehen aber auch aufgrund von Überproduktionen im Ausland und sind für die Firmen selbst nicht kostendeckend. Hier wird also de facto ein Entsorgungskanal genutzt.

 

Das bedeutet also, die ausländischen Produzenten „entsorgen“ ihre Ware zu Dumpingpreisen am österreichischen Markt selbst wenn sie damit Verluste einfahren?

Karl Feichtinger: Ja, so stellt sich die Lage derzeit dar und es hat dramatische Auswirkungen auf unsere Bauern, denn ihre Ställe stehen länger leer und das führt zu massiven Einkommenseinbußen. Zusätzlich wird es für uns immer schwieriger aufgrund der Dumpingpreise am Markt den Bauern die hohen Futterkosten, speziell für gentechnikfreies Soja, abzugelten.

 

Wieso sind die Produktionskosten für die Puten-Bauern von WECH und PÖTTELSDORFER höher als für ausländische Puten-Produzenten?

Karl Feichtinger: Das liegt an der speziellen gentechnikfreien Fütterung und an der Produktion nach den strengen AMA-Richtlinien. Dazu kommt noch die tierfreundlichere Haltung, dh die geringste Besatzdichte innerhalb der EU, auch wesentlich geringer als in Deutschland und Italien. Von den ehemaligen Ostblockländern oder von den Haltungsbedingungen außerhalb der EU ganz zu schweigen.

 

Aber es bieten doch auch andere österreichische Firmen Putenfleisch an?

Karl Feichtinger: Es gibt österreichische Geflügelfirmen, die selbst keine Putenproduktion haben, sie importieren die Ware günstig aus dem Ausland und verpacken sie dann in Österreich unter ihrem Namen. So kann es sein, dass sie nach Österreich aussehen und sogar oft österreichische Qualität drauf steht. Aber, das ist eben nicht einmal die halbe Wahrheit, denn die Qualität des Fleisches hängt doch in erster Linie von den Haltungsbedingungen ab.

 

Das bedeutet also der Konsument wird absichtlich getäuscht?

Karl Feichtinger: Ja, da wird auf den Verpackungen oft der Anschein erweckt, dass es sich um ein österreichischen Produkt handelt, was aber nicht der Fall ist. Das ist eine ganz klare Konsumententäuschung und Irreführung. Das muss einmal gesagt werden, weil wir der Meinung sind, dass sich die Konsumenten darauf verlassen können müssen, dass wenn Österreich drauf steht auch wirklich Österreich drin ist. Sie sind ja schließlich auch bereit, dafür einen etwas höheren Preis zu zahlen.

 

Worauf kann sich der Konsument dann eigentlich noch verlassen?

Karl Feichtinger: Auf das  AMA-Gütesiegel, das „Ohne Gentechnik hergestellt“-Logo und die Adresse des Bauern. Dann kann jeder Konsument sicher sein für sein Geld 100% österreichische Qualität zu bekommen.

 

Was bedeutet „100% Österreich“ konkret?

Karl Feichtinger: „100% Österreich“ bedeutet für uns von WECH und PÖTTELSDORFER, dass unsere Bauern die Küken von einer österreichischen Brüterei bekommen, die Tiere nach den strengen österreichischen Vorschriften und den noch strengeren AMA-Richtlinien aufziehen und ausschließlich gentechnikfreies Futter von österreichischen Futterlieferanten verwenden. Diese Kriterien erfüllt derzeit ausschließlich Putenfleisch von WECH und PÖTTELSDORFER. Das ist Fakt.

 

Was sollen die Konsumenten also konkret tun?

Karl Feichtinger: Vor allem im Kühlregal genau hin schauen und sich nicht täuschen lassen!